Irische
Nacht 2010 Aischtaler Filmtheater und Freundeskreis Castlebar
Ein abgefahrenes Abenteuer / The Race
Nicht wenige Kinder verbringen heutzutage mehr Zeit vor dem Fernseher und
Computer als draußen in der Natur. Nicht so die elfjährige Mary in André F.
Nebes Debütfilm. Er lässt seine Protagonistin wie wild über das irische Land
fahren – in einer selbstgebauten Seifenkiste und will damit Kinder zum
Nachdenken anstiften, dass es noch etwas anderes gibt als Playstation und
Internet. Im Mittelpunkt steht ein Rennen, das Mary unbedingt gegen ein Dutzend
Jungs gewinnen will. Allein schon, dass ein Mädchen da mitmachen will, ist außergewöhnlich
und dann auch noch Mary, die von allen gehänselt wird. Ihre Startbedingungen
sind alles andere als gut: Ihre Seifenkiste ist alt und klapprig, für neue Räder
fehlt Geld und ihr Vater ist gegen das Unternehmen. Aber Mary ist mutig,
ehrgeizig und fest von ihrer Mission überzeugt. …
Samstag, 17.07.2010, 15.30 Uhr
Dienstag, 20.07.2010, 19. 30 Uhr
Sommerfilmfest 2010 des Aischtaler Filmtheaters
In Zusammenarbeit mit Mobiles Kino Nürnberg und Lamm-Lichtspiele
Erlangen
Die
Eleganz der Madame Michelle (F 2009)
Paloma, die elfjährige
Tochter eines Regierungspolitikers und einer Neurotikerin, ist mehr als nur überdurchschnittlich
intelligent. Ihre kunstvollen Zeichnungen und Cartoons weisen sie unzweifelhaft
als Genie aus und alles, was sie so im Lauf eines Tages sagt, ist weitaus
tiefsinniger als das Gerede der meisten Erwachsenen. Ihr sezierender Blick auf
ihre Familie und die anderen Bewohner des alten, luxuriösen Hauses mitten in
Paris hat ihr alle kindlichen Träume und Illusionen geraubt. Auch ein goldener
Käfig bleibt ein Käfig, aus dem es kein Entkommen gibt. Also hat Paloma
beschlossen, ihrem Leben an ihrem zwölften Geburtstag ein Ende zu setzen. Bis
dahin will sie einen Film über ihre Familie drehen, der alles erklärt.
Bei ihren Streifzügen durch
das Haus stößt sie auf das Geheimnis von Madame Michel, der kratzbürstigen
Concierge, und freundet sich mit ihr an. Einen weiteren neuen Freund findet
Paloma in Kakuro Ozu, einem älteren Japaner, der gerade in das Haus eingezogen
ist und sich von Anfang an sehr um die alles andere als gewöhnliche Concierge
bemüht … Das alte Haus, in dem das Mädchen, die Concierge und der Milliardär
eine seltsame, verschworene Gemeinschaft bilden und dabei wirklich alle sozialen
Grenzen einfach ignorieren, ist mit seinen fünf Luxuswohnungen und dem kleinen
Appartement der Hausmeisterin ein verwunschenes Reich, ein märchenhafter Ort,
der eben so stark in der Fantasie der Filmemacherin wie in der Pariser Realität
verankert ist. Es ist eine Welt en miniature, gesehen mit den Augen dreier Außenseiter,
von denen nicht nur Madame Michel weit mehr als nur eine Märchenheroine ist.
(FSK 6)
Sonntag,
22.08.2010, 19.30 Uhr
Männer
die auf Ziegen starren (USA 2009)
Bob Wilton ist Journalist
bei einer kleinen Zeitung in Ann Arbor. Als sich seine Frau von ihm trennt, will er ihr
seine Männlichkeit beweisen, indem er in den Irakkrieg
zieht – als Journalist, aber nicht als sogenannter „Embedded Journalist“. Er erfährt von einer in
den 70er Jahren gegründeten experimentellen Spezialeinheit „New Earth Army“ der US Army, deren Mitglieder sich „Jedi“ nennen, und die
zusammen mit ihrem Ausbilder Bill Django parapsychologische
Kampftechniken entwickelt und eingeübt haben sollen, unter anderem, durch Wände
zu laufen oder mit bloßen Blicken Tiere zu töten.
Wilton
stößt 2003 in Kuwait City zufällig auf Lyn Cassady, einen der Besten dieser
Gruppe. Cassady erzählt ihm, dass er aus dem Ruhestand geholt und auf eine
„geheime Mission“ geschickt worden sei. Wilton kann zunächst seine Skepsis
gegenüber den Erzählungen Cassadys nicht verbergen. Gleichzeitig wittert er
aber auch eine große Enthüllungsstory und bricht mit Cassady in
die irakische Sandwüste
auf. Ein Versuch Cassadys, seine übersinnlichen Kräfte zu zeigen, endet mit
einem ersten Autounfall. … Die New Earth
Army, in der Lyn Cassady Mitglied ist, gab es als First Earth Battalion
wirklich. Sie war eine private Initiative einzelner US-Offiziere.
Montag,
23.08.2010, 19.30 Uhr
Vincent
will Meer (D 2010)
Vincent haut ab. Raus aus der
Klinik, in der er lernen sollte, mit seinem Tourette-Syndrom umzugehen. Er will
nach Italien ans Meer - und dabei kommt er noch nicht mal bis zum Bäcker, sagt
sein Vater. In der Jackentasche hat Vincent eine Bonbondose mit der Asche seiner
Mutter. Im geklauten Auto sitzen die magersüchtige Marie, die ihn zur Flucht überredet
hat und sein zwangsneurotischer Zimmergenosse Alexander, der die Flucht
verpetzen wollte.
Vincents Trip nach Italien
ist eine Katastrophe für seinen Vater: Der ehrgeizige Lokalpolitiker steckt
gerade mitten im Wahlkampf und interessiert sich nur für seinen guten Ruf, während
die Psychologin Frau Dr. Rose in ständiger Sorge um ihre unberechenbaren Schützlinge
ist. Gemeinsam nehmen die beiden die Verfolgung auf. Vincent, Marie und
Alexander setzen alles daran, das Leben da draußen auf ihre Weise zu meistern -
auch wenn sie sich dabei ständig auf die Nerven gehen. Am Ende der Reise ist
zwar niemand geheilt, aber alles anders.
Dienstag,
24.08.2010, 19.30 Uhr
Die
Standesbeamtin (CH 2009)
Das Leben der
biederen Standesbeamtin Rahel (Marie Leuenberger) ist trist. Ihren Alltag
bestimmen die Arbeit, der Haushalt und ihr Sohn Flo (Luca Majer). Ihren Mann
Thomas (Beat Marti) bekommt sie kaum noch zu Gesicht, macht der doch jeden Tag
mehr Überstunden. Der Job zieht sie nur noch runter: Wie soll man auch Paare
mit einem Lächeln trauen, wenn sich die eigene Ehe gerade als einzige Enttäuschung
entpuppt. Da trifft Rahel beim Shopping ihren Jugendfreund Ben (Dominique Jann)
wieder. Einst spielten sie in einer Band, waren unzertrennlich, aber nie ein
Paar. Dann ging Ben nach Berlin und schrieb einen Nummer-Eins-Hit, der zwar
schon acht Jahre zurückliegt, ihn aber in der Schweiz prominent gemacht hat.
Seit er mit der Schauspielerin Tinka (Oriana Schrage) liiert ist, haben ihn
zudem die Klatschblätter wiederentdeckt. Nun soll ausgerechnet Rahel ihre
Jugendliebe und dessen Verlobte in den Hafen der Ehe begleiten ….
Mittwoch,
25.08.2010, 19.30 Uhr
Kleine
Wunder in Athen (D/Griechenland 2009)
„Albaner, ihr werdet niemals Griechen sein!“ Aber
vielleicht andersherum? Mit einem angenehm verschrobenen Film wendet sich
Fillipos Tsitos einem schwerwiegenden Defizit seines Heimatlandes zu. Der
schrullige Ladenbesitzer Stavros (Antonis Kafetzopoulos) und seine nicht minder
schrulligen Freunde sind überhaupt nicht begeistert, als albanische Bauarbeiter
im Auftrag der Stadt mit der Arbeit an einem Denkmal für „interkulturelle
Solidarität“ beginnen. Nicht nur, dass die kaum befahrene Kreuzung im Athener
Viertel Akademia Platonos dann nicht mehr für ihre improvisierten Fußballspiele
herhalten kann. Auch mit der interkulturellen Solidarität ist es bei den vier
Griechen nicht sehr weit her – schon die Bedeutung der beiden Worte
herzuleiten fällt ihnen schwer. …
Während die Albaner aber
irgendwie dazugehören und man sich durch ihre Anwesenheit zumindest selbst
besser fühlen kann, machen die mittlerweile ins Viertel strömenden Chinesen
den Griechen regelrecht Angst. Gegenüber von Stavros’ Laden baut eine
chinesische Familie gerade ein Geschäft für italienische Designermode auf.
Nicht nur, dass die Asiaten deutlich schneller arbeiten als die Albaner, sie
scheinen sich auch täglich zu vermehren. Ob „wirklich alle von denen, die da
rauskommen, auch vorher hineingegangen“ seien, fragt Stavros nachdenklich, als
die griechischen Strategen vor ihren Läden die wuseligen Chinesen beobachten.
…
Donnerstag,
26.08.2010, 19.30 Uhr
Nokan
– Die Kunst des Ausklangs (Japan
2008)
Der Anfang des Films ist in
seiner betont illusionslosen Haltung ungewöhnlich: Die Hauptfigur, der junge
Cellist Daigo Kobayashi (Masahiro Motoki), gibt seinen lange gehegten Traum,
Musiker zu werden, auf und empfindet das erst einmal nicht als Verlust, sondern
als Befreiung. Dabei ist Daigo kein Versager auf seinem Instrument. Er hat es
immerhin bis in ein Tokioter Symphonie-Orchester geschafft – leider in eines,
das kurz darauf aufgelöst wurde. Jetzt zieht er etwas planlos mit seiner
liebenden und ihm treu ergeben folgenden Ehefrau (Ryoko Hirosue) aufs Land, zurück
in das Haus seiner verstorbenen Mutter. Aufgrund eines Missverständnisses nimmt
er eine Arbeit als Bestatter an. Kein einfacher Job und vor allem kein
angesehener, weshalb er seiner Frau auch lieber nichts davon verrät. Probleme
sind vorprogrammiert. Besonders weil Daigo, nicht zuletzt dank der
Beharrlichkeit seines kauzigen Vorgesetzten und Mentors Ikuei Sasaki (Tsutomu
Yamazaki), in der Tätigkeit als Bestatter mehr und mehr seine wahre Bestimmung
erkennt. Wie nebenbei entdeckt er auch die Liebe zu seinem Instrument neu und
beginnt sogar langsam das problematische Verhältnis zu seinen Eltern
aufzuarbeiten.
Montag,
30.08.2010, 19.30 Uhr
Haus der
Vereine, Kerschensteinerstr. 5, Höchstadt