WAB Kosbach
Aischtaler Filmtheater
Tarnowitzer Kulturtage (Polen) im Mai 2007 eröffneten
mit einem fulminanten Programm
| Brillierte zunächst am ersten Abend das Bubenreuther Streichquartet in Schloß Rybna, so gaben am Morgen danach mehr als 400 Jugendliche aus Bildungseinrichtungen rund um das öffentlich geführte Kulturzentrum Karolinka Standing Ovations für eine ungewöhnliche Theatergruppe. Die Theatergruppe der WAB Kosbach, die in Erlangen und Höchstadt mehrere Häuser für Menschen mit Behinderung eingerichtet hat, zeigte im Rahmen der Tarnowitzer Kulturtage das pantomimische Stück „Anja und die vier Jahreszeiten – eine Traumreise nach der Musik von Antonio Vivaldi“. Das unter der Leitung von Hanne Rußmann und Christine Reymann, in Kooperation mit Bewohnern der Einrichtung, entstandene Stück wurde hinreißend gespielt. Jeder konnte seine sozialen Kompetenzen ausspielen und die Verschränkung von Musik, Bühnenbild und darstellerischem Ausdruck führte immer wieder zu Szenenapplaus. Die Besucher der Abendveranstaltung waren dabei genauso begeistert und es gab wie am Morgen immer wieder Szenenapplaus. Freundschaftlichen Applaus gab es auch für Bodo Steinheimer, stellv. Geschäftsführer der WAB, der die Zuschauer jeweils auf polnisch begrüßte. Auch kleine Gesten der Verständigung werden eben sehr genau wahrgenommen. |
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Das Aischtaler Filmtheater präsentierte eine Reihe von
Kurzfilmen, wie etwa „Die Geschichte von Rudi und Meike“, die sich mit
Irrwegen der Mediengewalt und Lösungsmöglichkeiten für die damit verbundene
innere Einsamkeit durch Hinwendung zu einem realitätsbezogenem sozialen
Engagement befaßt. Rudi erkennt zunehmend, dass in seinem Kopf reale
Kriegsbilder und Kriegs“spiele“ immer mehr zu verschwimmen beginnen und er
dieses damit verbundene „Dröhnen“ abstellen möchte. Er hilft der
gehbehinderten Meike, an einem Ferienprogramm teilzunehmen,kann sich auf ihre
Hilfe bei den Hausaufgaben einlassen und gewinnt zunehmend persönliches Profil.
Am Ende profitieren beide von der Freundschaft und schaffen den gewünschten
Schulabschluß. Der Film war seinerzeit als Ferienprojekt mit Jugendlichen unter
der Leitung von Werner Schramm entstanden, dem die gemeinsame Arbeit von
Behinderten und Nichtbehinderten ein wichtiges Anliegen ist. Die beiden Film-
und Videomacher Peter Horn aus Erlangen und Fritz Kurr aus Herzogenaurach
steuerten Filme über die Bedeutung der Wasserräder an der Regnitz sowie der
traditionellen landwirtschaftlichen Arbeit im Einklang von Mensch und Tier bei.
Das gegenseitige Verständnis von Jung und Alt konnten Filme wie „Vergißmeinnicht“
über Altersdemenz sowie „Der Warter“ über Außenseiter in der
Gleichaltrigenguppe vertiefen. Die Kulturarbeit von WAB Kosbach und Aischtaler
Filmtheater wurde von Andreas Burda aus Erlangen unterstützt, der nicht nur
unermüdlich als Übersetzer fungierte, sondern bereits vorher in wochenlanger
Kleinarbeit für die gezeigten Filme einen polnischen Sprechtext erarbeitet
hatte. Die zielgruppenspezifische Zusammenstellung der Filme fand großen
Anklang sowohl bei den Jugendlichen als auch bei der älteren Generation, was
sich sowohl in spontanem Applaus als auch in auf deutsch geäußerten
Komplimenten ausdrückte.
Landrat Irlinger wie auch sein Kollege Korpak betonten die völkerverbindende
Bedeutung der Kulturarbeit und dankten allen Mitgestaltern der Kulturwoche mit
einem kleinen Präsent. Die Theatergruppe hat sich, so Landrat Irlinger, als
„Brückenbauer in unsere Herzen“ erwiesen und damit ein vorbildliches
Beispiel für die Förderung einer „Partnerschaft der Herzen“ gegeben. Diese
Verbundenheit gelte es weiter zu vertiefen als „Teil unserer Versöhnungsarbeit“,
denn grundsätzlich bewirken viele kleine Schritte einen Weg zum Frieden. Die
Worte von Landrat Irlinger stießen bei den Besuchern der Veranstaltung auf große
Zustimmung.