Verein
Förderung der Filmkultur e.V., Höchstadt
Warum
wir eine Zusammenarbeit mit dieser Bundeswehr ablehnen und
gegen den Einsatz von Jugendoffizieren in Schulen und Jugendeinrichtungen sind.
Der
Einsatz des Strategiespiels POL&IS – Politik und internationale Sicherheit
– ein Vorwand zur Rekrutierungsanbahnung und Mittel zur Manipulation von Schülermeinungen?
Wer den erschütternden Film
„Willkommen zuhause“ über einen im Afghanistankrieg traumatisierten
deutschen Soldaten gesehen hat, kann nur erahnen, was noch an physischem und
psychischem Elend auf uns alle und die betroffenen Soldatenfamilien zukommen
kann. Die Bundeswehr – mit neuer Sprachregelung eine „Armee im Einsatz“
– wurde zu einer international operierenden Interventions- und Besatzungsarmee
umgebaut. Obwohl die Vorbreitung eines Angriffskrieges laut Grundgesetz unter
Strafe steht, haben deutsche Soldaten 2003 amerikanische Kasernen bewacht, damit
die amerikanischen Soldaten im Irak ihr „blutiges“ Handwerk verrichten
konnten. Auch Beihilfe zu einem völkerrechtswidrigen
Delikt ist selbst ein völkerrechtswidriges Delikt. Das
Bundesverwaltungsgericht (2. Wehrdienstsenat) hat am 21. Juni 2005 festgestellt,
daß a) der Irakkrieg der USA ein Bruch des geltenden Völkerrecht bedeutet und
daß b) die Bundesrepublik erhebliche Beihilfen zur Logistik dieses Krieges
geleistet hat. Es bekommt also eine Organsiation, die offensichtlich „Präventivkriege“
– völkerrechtswidrige Angriffskriege - unterstützt, Zugriff auf Jugendliche.
Die Münchner
Sicherheitskonferenz hat deutlich gemacht, daß der offensichtliche Mißbrauch
deutscher Soldaten für ein weltumspannendes Kriegsmanagement weitergehen wird.
Obama fordert mehr Soldaten und damit weiteres deutsches „Kanonenfutter“
nachgeschoben werden kann, wirbt die Bundeswehr mit einer bundesweiten Offensive
unter Jugendlichen, denn es fehlt ihr an „Kampf- und Transportgeschwadern“,
„Elitesoldaten“ und wohl auch an Offizieren. Erleichtert wird der
Rekrutierungsgriff nach der Jugend auch durch die Jugendarbeitslosigkeit.
Von der Öffentlichkeit
weitgehend unbemerkt nimmt die Militarisierung
speziell an Schulen zu. Als ein Anwerbemittel in Gymnasien und anderswo
sehen wir das Strategiespiel POLIS
‚Politik und Internationale Sicherheit’ an, das von Jugendoffizieren mit
Jugendlichen u.a. in Kasernen, Jugendzentren oder auch in einer parteinahen
Stiftung gespielt wird. Bei POLIS werden anhand konkreter Beispiele weltweite
„Ressourcenverteilungskonflikte und Interventionsszenarien“ durchgespielt,
offensichtlich einschließlich der Möglichkeit, Atomwaffen einzusetzen. Die
Jugendoffiziere sind speziell geschulte Berufssoldaten, die in ihrem
dienstlichen Einsatz offensichtlich keine von den Vorgaben des Bundesministerium
für Verteidigung abweichenden Auffassungen vertreten dürfen. Sie sind demnach
anscheinend per Staatsauftrag und Befehl gezwungen, immer im Sinne der
herrschenden Regierung und der Bundeswehr zu argumentieren.
Ein wichtiges
Forschungsprojekt der Bundeswehr zur gezielten Anwerbung ist: „Lagebild der
Jugend“. Während der Durchführung von POLIS könnten die Jugendoffiziere
dazu gewissermaßen ein Profil („Einstellungen, Orientierungen und sonstiger
Verhaltensgrundlagen Jugendlicher“.) über jeden Spieler herausfiltern und so
gegebenenfalls abschätzen, ob und inwieweit eine Rekrutierungsstrategie
angeschlossen werden kann.
„Die Bundeswehr ist den
Gesetzen des Arbeitsmarktes unterworfen und läuft Gefahr, bei sinkenden
Verpflichtungsquoten ihr Regenerationspotential zu verlieren, wenn durch
mangelnde Modernisierung und brüchige Identitätsfelder ihre Attraktivität für
die Jugend schwindet. Vorgesetzte und andere Verantwortungsträger sollten daher
sowohl im alltäglichen Umgang mit jungen Soldaten, als auch bei grundlegenden
Entscheidungen die Auswirkungen ihres Handelns auf die Jugend im Auge behalten.
Hierbei kann die Kenntnis vorherrschender Einstellungen, Orientierungen und
sonstiger Verhaltensgrundlagen Jugendlicher hilfreich sein.“
Soll wieder einmal Jugend mit
Spiel und Spaß für den Weg des Rechts des Stärkeren „geködert“ werden?
Einstieg in die Lust auf mehr? Auf Krieg, auf Töten und getötet werden
(„Deutsche müssen das Töten lernen“, schrieb Der Spiegel)? Wollen wir dafür
ernsthaft unsere Kinder, unsere Geschwister, unsere Freunde hingeben?
Eltern haben ihre Kinder in
der Regel mit viel Herzblut aufgezogen. Was wäre, wenn die Jugendoffiziere mit
ihrem „Lockmittel“ POLIS möglicherweise Erfolg haben? Und dann möglicherweise
irgendwann traumatisierte, möglicherweise sogar an Kriegsverbrechen beteiligte
oder körperlich verkrüppelte „Kinder“ zurückkehren – manche auch im
Leichensack. Eltern sollten sich vorher genau überlegen, an wen sie ihre Kinder
– zunächst „spielerisch“ - ausliefern. Soll wieder eine junge Generation
mißbraucht, betrogen und auf den Schlachtfeldern der Welt für die Interessen
fremder Herren verrecken?
Wenn wir unser Jahresmotto
„Höchstadt bekennt sich zum Frieden“ ernst nehmen, erscheint uns die
Verbindung Militär und Schule/Jugendarbeit mehr als fehl am Platze. Höchstadt
ist der Bewegung der „Bürgermeister für den Frieden“ beigetreten und damit
sind für uns Maßstäbe für die Aufarbeitung und persönliche Stellungnahme zu
Menschenrechten und zum humanitären Völkerrecht gesetzt. Warum nicht die
Vermittlung solcher tragfähigen Maßstäbe in den Vordergrund rücken?
Gerade
wenn wir vor uns und den nachfolgenden Generationen in obigem Sinne glaubwürdig
bleiben wollen, müssen wir eine Zusammenarbeit mit einer Bundeswehr in ihrer
derzeitigen Ausrichtung grundsätzlich ablehnen.
Tatsache
bleibt, daß die sogenannten „friedenserzwingenden Maßnahmen“ des Westens
etwa im Irak (eine Million Tote, vier Millionen Flüchtlinge!) und in
Afghanistan lediglich geostrategischen Interessen sowie der Erzwingung „freier
Märkte“ dienen und in den betroffenen Ländern nur Unterdrückung, Hunger,
Zerstörung, radioaktive Verseuchung, verminte Felder und unermeßliches Leid
hinterlassen haben.
PS
In diesem Winter (2008/09) sind 2 Millionen Afghanen vom Tode bedroht, davon
1,4 Milionen Kinder. Menschen, die vor den Nato-Bomben geflohen sind, nun in
armseligen Flüchtlingslagern hausen müssen und nicht einmal ein Zelt zum
Schutz vor Kälte haben. Kinder, die barfuß durch den Schnee laufen müssen. Mütter,
die einzelne ihrer Kinder verkaufen müssen, um überhaupt noch etwas Nahrung für
den Rest der Familie erwerben zu können. Was hat Deutschland bislang
unternommen, um das Leben dieser 2 Millionen Menschen zu retten? Ein
Telefonanruf der Bundesregierung würde genügen …