Pressetext
zur Veranstaltung mit
Prof. Dr. med. Dr.
h.c. Edmund Lengfelder,
Vorsitzender des Otto-Hug-Strahleninstitutes München und Prof. für
Strahlenbiologie an der Ludwig-Maximilian-Universität München
| Der Film „Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra“ des Grimme-Preisträgers Frieder Wagner zeigte den Zuschauern im Aischtaler Filmtheater entsetzliche Bilder von Neugeborenen aus den Kriegsgebieten, insbesondere dem Irak, Serbien und dem Kosovo. Werner Schramm machte darauf aufmerksam, daß diese Bilder zeigen, was die Menschen erwartet, wenn der Einsatz von Uranwaffen (Depleted Uranium – DU) nicht sofort eingestellt wird. Es ist eine Bedrohung, die viel direkter ist als die Klimaerwärmung und viel gefährlicher als das Ozonloch. | ![]() |
Die
Zuschauer erlebten auch die Trauer der Mütter über ihre todgeweihten Kinder
und die Ohnmacht der Ärzte in Serbien und dem Irak angesichts des großen Ausmaßes
an Leid. Deutlich wurde auch, daß die Mehrzahl der Uranopfer im Militär immer
noch nicht medizinisch versorgt sind. Aber auch die Opfer der Kriegsgegner
wurden medizinisch nicht versorgt. Jegliche Hilfe wurde den zivilen Opfern
verweigert, die an verschiedenen Kriegsschauplätzen in der Welt dem DU
ausgesetzt sind und geschädigt wurden. Der Arzt Prof. Durakovic, einst in
Diensten des Pentagon, hat neben Prof. Günther unter starkem persönlichen
Risiko an der Aufdeckung der Gefahren durch den Einsatz von Uranwaffen
mitgewirkt. Beide mußten deswegen um ihr Leben fürchten. Filmemacher Wagner
bekommt seit seiner Reportage für den WDR offensichtlich keine TV-Aufträge
mehr – der Einsatz „schmutziger Waffen und Bomben“ in unseren Kriegen
scheint eben ein Tabu zu sein. „Was man nie in den Nachrichten sieht und hört,
sind die Toten, die ich ‚die Toten des stillen Sterbens’ nenne“, so der
Filmemacher. Die Bilder des Schreckens verfolgen ihn heute noch in seinen Träumen:
„gerade geborene Babys, ohne Augen, ohne Nase, ohne Kopf, ohne Arme und Beine.
Babys, deren Organe in einem Sack ausserhalb des Körpers angewachsen waren.
Alle diese Babys starben nach wenigen Stunden oder Tagen“. Prof. Durakovic,
der Gründer des unabhängigen „Uranium Medical Research Center“ in Kanada,
der viele Golf-Kriegsveteranen untersucht und behandelt hat, nimmt so Stellung:
„Sie fragen mich, was jetzt mit der Zivilbevölkerung im Irak passiert?
Glauben Sie, irgend jemand kümmert sich um die Bevölkerung im Irak, wenn schon
niemanden das Schicksal der eigenen Soldaten interessiert! Man müsste im Irak
zur Dekontamination Milliarden von Dollars investieren!“
Am Beispiel der
Familie des ehemaligen britischen Soldaten Kenny Duncan wurde die genetisch
verheerende Wirkung des Einsatzes von Uranmunition gezeigt. Die Kinder von Kenny
Duncan sind genetisch krank. Diese Kinder – wie auch die anderer Veteranen -
haben geschädigte Chromosomen, und sie werden natürlich hohe Raten genetisch
geschädigter Kinder hervorbringen und deren Kindeskinder wieder. So ein
Schicksal haben viele Soldatenfamilien erleiden müssen. Grundsätzlich gilt: In
jedem Gebiet, in dem DU-Waffen eingesetzt werden, sind die Nahrung und das
Wasser auf unabsehbare Zeit verseucht, auch wenn die Politik bei uns sich mit
dieser Wahrheit offensichtlich schwer tut. Die Halbwertzeit des Urans in den Stäuben
beträgt 4,5 Milliarden Jahre!
Der
Strahlenbiologe Prof. Lengfelder machte in der Diskussion deutlich, warum das
Militär so gerne Uranwaffen einsetzt. Abgereichertes Uran bleibt übrig, wenn
man Kernbrennstoffe herstellt. Dann muß man aus dem natürlichen Uran, das in
dieser Form dafür nicht verwendet werden kann, angereichertes Uran herstellen.
Das abgereicherte Uran ist dabei ein Abfallprodukt, und es gibt sehr intensive
Überlegungen, wie man die inzwischen sehr großen Bestände an abgereichertem
Uran, die auf der Welt vorhanden sind – in der Größenordnung von über 1
Million Tonnen, und sie werden täglich mehr –, wie man dieses Uran sozusagen
verwerten kann. Uran hat eine extrem hohe Dichte, es ist fast doppelt so schwer
wie Blei. Wenn ein solches Urangeschoß mit höchster Wucht auf eine Panzerung
trifft, dann dringt es durch diese Panzerung hindurch, „wie ein Messer durch
Butter“. Bei diesem Prozeß verdampft ein Teil dieses Materials durch extreme
Hitze beim Eindringen in einen Panzer, und im Innern des Fahrzeugs entzündet
sich dieses Material und führt dazu, daß Personen im Fahrzeug getötet werden
bzw. verbrennen und Munition und Treibstoff explodieren. Dieser doppelte Effekt,
diese hohe Durchdringungsfähigkeit, also in einen Panzer einzudringen, und
diese Fähigkeit, teilweise zu verbrennen, macht diese Munition bei den Militärs
so beliebt.
Bei
dem Verdampfungsprozeß entstehen aus Uran so kleine (Nano)Partikel, daß es überall
im Körper hingelangt, nicht nur zu den Lymphozyten, auch zum Gehirn, zur Leber,
auch zum Sperma und zu den Eizellen – auch durch die gesunde Haut. Die
Nanopartikel aus Uranoxid, die in dem Metallrauch entstehen, können eingeatmet
die Luft-Blut-Schranke in der Lunge überwinden, in Körperzellen eindringen und
eine maximale Strahlendosis an das Gewebe abgeben. Nanopartikel aus Metallen
kommen in der Natur nicht vor und unser Immunsystem hatte von daher über die
Jahrmillionen keine Gelegenheit zu lernen, damit umzugehen. In der Folge steigt
das Risiko an einem Tumor zu erkranken mit jedem nicht reparierten Zellschaden.
„Der Körper vergißt Strahlung nie“, so Prof. Lengfelder, das haben die
Opfer von Hiroshima, Nagasaki und Tschernobyl gezeigt. In Deutschland scheint
derzeit als Spätfolge der Tschernobyl-Katastrophe die Zahl der Menschen mit
Schilddrüsenkrebs zuzunehmen; kurz nach der Katastrophe nahm beispielsweise in
Berlin die Zahl mongoloid geborener Kinder zu.
Die
Folgen der Tschernobyl-Katastrophe werden anscheinend oft nur gegen erheblichen
politischen Widerstand erfaßt. Ebenso wurden bislang keinerlei systematische
Studien in den DU-verseuchten Gebieten durchgeführt. Obwohl seitens des Militärs
die Gefahren von Uranwaffen längst bekannt sind und die Dienstvorschriften der
US-Armee ausdrücklich auf die Gefahren hinweisen, wurden und werden Zusammenhänge
mit dem Balkan- bzw. Golfkriegssyndrom hartnäckig geleugnet – es könnten ja
Schadenersatzforderungen kommen. Die Urin-, Speichel- und Bodenproben, auf die
sich eine Vielzahl von Erkenntnissen stützen, haben wir Ärzten wie Dr.
Durakovic zu verdanken. Der erwähnte Fall eines britischen Soldaten ist darüber
hinaus der einzige Fall, der bisher gerichtlich anerkannt eine Verbindung von
gesundheitlicher Schädigung und Uranverseuchung zieht, damit das Opfer endlich
Schadensersatz einfordern kann. Was jedoch wird unternommen, um nicht nur unsere
Soldaten vor dem Risiko zu schützen, Opfer dieser unsichtbaren und
schleichenden Gefahr zu werden? Eine Teilnehmerin des Abends brachte ihr
Entsetzen auch über die Ignoranz der Politik bei uns so zum Ausdruck: „Da
freut man sich als Mutter auf sein Kind und muß in den betroffenen
Kriegsgebieten jedoch befürchten, daß die Familie an den Folgen der
Uranstaubverseuchung zugrundegeht – eine furchtbare Vorstellung“.
Prof.
Lengfelder machte zudem deutlich, daß im Falle einer nuklearen Katastrophe die
deutsche Bevölkerung denkbar schlecht geschützt ist. So ist im Unterschied
beispielsweise zum Nachbarn Österreich nur für den Teil der Bevölkerung unter
45 Jahre eine Jodprophylaxe vorgesehen – wer privat vorsorgen möchte, muß
ins Nachbarland fahren, denn seit Kurzem sind bei uns keine 0,1
Gramm-Jodtabletten mehr im Handel.